Frankreich / Saint Genis Pouilly

Erasmus+ Bericht: Hospitation an der Ecole élémentaire du Jura in Frankreich, Saint Genis Pouilly

Im Rahmen des Erasmus+ Programms hatten wir, Anja Stötzer und Barbara Winter, im März 2025 die wunderbare Gelegenheit, zwei Tage an der französischen Volksschule Ecole élémentaire du Jura zu hospitieren.
Die Schule liegt in einer malerischen Region im Osten Frankreichs und empfing uns mit großer Herzlichkeit.

Einblick in das französische Schulsystem

Am Montag Nachmittag durften wir den ersten von zwei Tagen an der Ecole élémentaire du Jura verbringen. Schon bei der ersten Hospitation lernten wir einen besonderen pädagogischen Schwerpunkt der Schule kennen: „Ruhe im Schulhaus“ – ein Prinzip, das sich sowohl in der Lernumgebung als auch im sozialen Miteinander bemerkbar machte. Zudem erhielten wir einen ersten Einblick in das französische Schulsystem, das in mehreren Aspekten von unserem österreichischen Modell abweicht.

Am Dienstag Vormittag waren wir erneut vor Ort, um unsere Beobachtungen zu vertiefen. 

•    Besonders interessant war der Tagesablauf:
Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag findet der Unterricht von 08:30 bis 16:30 Uhr statt.
Mittwochs schulfrei in ganz Frankreich
•    Vormittags: drei geblockte Lerneinheiten mit kurzer Pause
•    Zwei Stunden Mittagspause inklusive Mittagessen und freier Spielzeit im Park
•    Nachmittags: erneut drei geblockte Einheiten mit kurzer Pause

Auffällig war die klare Trennung von Lern- und Bewegungsräumen: Das Schulgebäude selbst ist ein reiner Lernort ohne Spielbereiche. Dafür steht den Kindern im großzügigen, eingezäunten Schulgarten viel Freiraum zur Verfügung. Dort können sie sich in der Pause frei bewegen, was nicht nur der Erholung dient, sondern gezielt auch die soziale Kompetenz fördert.

Pädagogische Schwerpunkte und Unterschiede

Wir beschäftigten uns außerdem mit dem Fächerkanon, der sich deutlich vom österreichischen unterscheidet, und bekamen Einblicke in unterschiedliche Klassenstufen, zum Teil auch in Mehrstufenklassen. Besonders bereichernd waren die Reflexions- und Austauschgespräche mit den unterrichtenden Lehrpersonen sowie der engagierten Direktion der Schule.

Mein persönlicher Fokus (Anja Stötzer) lag auf dem sozialen Lernen sowie auf interkulturellen Aspekten und Inklusion im Schulalltag. Meine Kollegin Barbara Winter beobachtete hingegen insbesondere die gelebte Multilingualität und das Fremdsprachenlernen vor Ort.

Unsere wichtigsten Erkenntnisse im Überblick

Neben den vielen wertvollen pädagogischen Impulsen haben wir einige zentrale Unterschiede und Besonderheiten des französischen Schulsystems mitgenommen:
1.    Früher Schulbeginn: Die Schulpflicht in Frankreich beginnt bereits mit 3 Jahren – in der sogenannten école maternelle. Dort werden Kinder bereits spielerisch an Zahlen im Zahlenraum bis 30 und das Alphabet herangeführt.
2.    Primarstufe (école élémentaire): Die französische Volksschule dauert fünf Jahre und ist in folgende Jahrgänge unterteilt:
o    CP (cours préparatoire – 1. Schulstufe)
o    CE1 und CE2 (cours élémentaire 1 & 2 – 2. und 3. Schulstufe)
o    CM1 und CM2 (cours moyen 3 – 4. und 5. Schulstufe)
Das Alter der Schüler:innen liegt zwischen 6 und 11 Jahren. Während in den ersten beiden Jahren die Erziehungsphase im Vordergrund steht, geht es ab der dritten Schulstufe verstärkt in die Übungsphase über.
3.    Mittwochs schulfrei: Ein spannender Aspekt ist, dass mittwochs kein Unterricht stattfindet. Dieser Tag dient der Talenteförderung und außerschulischen Aktivitäten – ein Konzept, das uns sehr beeindruckt hat.
4.    Elitäres Bildungssystem: Besonders an unserem Standort war das System stark leistungs- und wissensorientiert, mit großem Fokus auf Geschichte.
5.    Unterrichtsform und Kommunikation: Kein offenes Lernen, formeller Umgang zwischen Schüler:innen und Lehrkräften, wenig kommunikative Interaktion – der Unterricht wirkt strukturiert, aber wenig flexibel im Gegensatz zu unserem offenen, dialogorientierten Unterricht in Österreich. Die Schüler:innen erscheinen dabei sehr diszipliniert und gut gebildet, allerdings bleibt offenes Lernen oder soziales Lernen im Unterricht weitgehend aus.

Fazit

Die Hospitation an der Ecole élémentaire du Jura war für uns eine bereichende und horizonterweiternde Erfahrung, die uns viele neue Perspektiven auf unseren eigenen Unterricht und das österreichische Schulsystem eröffnet hat. Besonders der strukturierte Schulalltag, die klare Didaktik und die kulturellen Unterschiede gaben uns Anlass zur Reflexion und Inspiration für unsere pädagogische Arbeit.

Wir danken Erasmus+ für diese besondere Gelegenheit und dem gesamten Team der Ecole élémentaire du Jura für den warmherzigen Empfang und diese besondere Möglichkeit zur europäischen Bildungszusammenarbeit!!

Anja Stötzer & Barbara Winter
Volksschullehrerinnen
März 2025

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